Der Lösungsraum-Blog

Schon mal mit Vollgas abgebogen?
Über Veränderungsgeschwindigkeit

Vor einer Weile gab ich einem Klienten am Ende einer Coachingsitzung eine Karte zur Erinnerung mit. Darauf abgebildet ein Verkehrsschild mit der Aufschrift „Reduce speed now“. Wir hatten vorher über die Frage gesprochen, ob die Geschwindigkeit seines Arbeitsumfeldes noch seiner eigenen entspricht.Ein kurzer Rückblick auf das erste eigene Auto mag helfen, über die eigene Richtgeschwindigkeit nachzudenken. Ok, manche sind direkt mit einem chip-getunten GTI nach der Führerscheinprüfung auf die Autobahn gefahren. In der Regel war man jedoch froh, irgendetwas Fahrbares zu haben, das einen von A nach B bringt – mir ging es jedenfalls so. In meinen Fall war es ein alter Kadett mit 75 PS, bei dem ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h das Gefühl aufkam, er würde nur noch auf den Hinterreifen fahren. Also blieb ich knapp darunter und freute mich, wenn ich zum Überholen von LKW noch etwas Reserve hatte und ankam. Die gefühlte Richtgeschwindigkeit lag also unterhalb des Maximums. Kriterium war, sich sicher zu fühlen, heile zu bleiben, vorwärtskommen und darauf vertrauen, noch etwas mehr Gas geben zu können, wenn es notwendig war.

Im Jobkontext sieht die Sache da schon anders aus. Spätestens nach der Freude über den ersten Job, der für finanzielle Unabhängigkeit sorgt und als Spiegel des Erlernten dient, stellt man mancher fest: Es fahren viele Vollgas. Die Überholspur ist voll, alle wollen vorwärts, also fahr ich mit.

Vorwärts zum Selbstzweck?

Wie lange geht das gut – mit Vollgas ohne Reserve-PS? Solange ich mich voll darauf konzentriere und andere Aktivitäten reduziere, vielleicht eine ganze Weile. Vielleicht solange, bis sich das mulmige Gefühl breitmacht, nicht mehr wirklich am Leben teilzuhaben. Leicht sagt sich: „ Das Leben läuft an mir vorbei“. Aber sind wir es nicht selbst, die daran vorbeilaufen?
Das Wesen des Menschen verlangt nach mehr als nur gut im Job zu sein. Wir haben Familie, Freunde, Hobbys und Aufgaben, für die wir uns engagieren möchten und die uns fordern. Wenn wir dem Anspruch erliegen, in allen Bereichen Vollgas zu geben, dann ist die Drehzahl schnell im roten Bereich. Punktuell ok, dauerhaft wissen wir, was dann passiert – je nach individueller Bauart.

Das Vorwärtskommen bekommt gerne einen Selbstzweck. Es wird genährt vom Sog der eigenen und fremden Ansprüche, macht müde und manchmal auch zynisch, wenn Sinn und erhoffte Anerkennung ausbleiben. Leichtes Abbremsen, um zunächst Standort und Richtung zu bestimmen oder wieder überhaupt klar zu sehen, erfordert zunächst etwas Kraft und Mut. Der persönliche Gewinn kann jedoch vielfältig sein: Vom Erlebnis der wiedergewonnenen Selbststeuerung, die uns Handlungskompetenz in eigener Sache zurück gibt, bis hin zu einer bestmöglichen Akzeptanz des im Moment Unveränderbaren, die zu mehr innerer Gelassenheit führt und dadurch Druck wegnimmt, sind viele Ressourcen in der eigenen Richtgeschwindigkeit wieder leichter zugänglich.

Mit Selbstfürsorge Burnout vorbeugen

Die individuellen Strategien der Abwehr, dass etwas im eigenen Leben gerade aus dem Ruder läuft, sind sehr vielfältig. Sie reichen von der Verleugnung und Vermeidung der Konfrontation, indem einzelne Lebensbereiche ausgeblendet und als unwichtig rationalisiert werden. Auch die Übertragung von Unzufriedenheit im Job auf andere Lebensbereiche, wie etwa in die Partnerschaft, ist ein gängiges Abwehrmuster. Ja, selbst die hohe Geschwindigkeit kann eines sein. Haben Sie schon einmal versucht, im hohen Tempo Details zu erkennen? Oder mit hoher Geschwindigkeit die Richtung zu ändern? Beides funktioniert nicht wirklich gut.

  • Wie schaffe ich mir mehr Freiraum für Hobbys, meine Freunde und meine Familie?
  • Was unterstützt mich dabei wieder zu entspannen zu können?
  • Wie schaffe ich es geduldiger und weniger reizbar zu werden?
  • Wie und worin kann ich meine Motivation wiederfinden?
  • Was hilft mir, mich in stressigen Zeiten zu strukturieren und den Überblick zu behalten?
  • Arbeite ich auf das „richtige“ Ziel hin?
  • Wo bleibe ich selbst trotz Doppelbelastung durch Job und Familie?
  • Was kann ich gegen den Gedanken tun, alles alleine regeln zu müssen?

Falls Sie auf der Suche nach der eigenen Richtgeschwindigkeit sind oder sich mit einer dieser Fragen beschäftigen, sollten wir uns kennenlernen. Eine methodische Kombination meines Achtsamkeits- und lösungsorientiertem Coachings kann ein guter Anfang sein, die eigene Geschwindigkeit wiederzufinden und am Ende des Tages noch Kraft zur freien Gestaltung übrig zu haben.

 

Regina Lautenschläger

Regina Lautenschläger

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